Die Welt 09.11.199
"Auch „Dolly“ konnte bisher den wirtschaftlichen Erfolg nicht sichern"
19. Teil der WELT-Serie „Gentechnik“: Umweltverbände bremsen seit Jahren eine schnellere Entwicklung – Versicherungen sehen mögliche Schwierigkeiten
Trotz des im Moment positiven Trends sind eingedenk der Erfahrungen aus der Vergangenheit tatsächlich vorsichtige Vorhersagen angebracht. Erfolge müssen hart erkämpft werden: Die kleine Biotechnik-Firma Phytowelt in Nettetal bei Köln offeriert Produkte und Dienstleistungen der Pflanzen-Biotechnik. Neben Beratung und Projektkoordination gehören auch Freilandversuche zur Angebotspalette. Schon im letzten Jahr sollten im Auftrag großer Firmen gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden. Doch bisher scheiterte das Unternehmen am Protest der Grünen und von Umweltverbänden. Jetzt sollen im nächsten Jahr die Versuche mit gentechnisch verändertem Mais startent.
Kölner Stadtanzeiger, 21.03.98
"Ab Herbst wird mit Raps experimentiert"
Freilandversuche mit gentechnisch manipulierten Pflanzen - Firma investiert 1,7 Millionen Mark
"Das ist eine Chance für ein erfolgreiches Standortmarketing." Euphorisch bewertet Dr. Edgar Fritschi, Geschäftsführer der BioGenTec NRW, die erste Ansiedlung einer biotechnologischen Firma im Erftkreis: In Wesseling wird der Biochemiker Dr. Peter Welters ein Forschungs- und Entwicklungsunternehmen in der Pflanzenbiotechnologie gründen.
Im Juni will der 38jährige beginnen, Schwerpunkt soll die Entwicklung neuer Patente und Techniken sein. Zudem bietet er die Beratung und Betreuung für Freilandversuche mit gentechnisch manipulierten Pflanzen an und will Projekte zwischen der Industrie und Forschung vermitteln sowie Marktstudien erstellen. ...
Zu Beginn will er drei bis vier wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigen, nach drei Jahren rechnet et mit sieben bis zehn Beschäftigen.
Seine Serviceleistungen will der Biochemiker vorwiegend kleinen und mittelständischen Unternehmen anbieten, die so auch ohne eigenes Labor Zugang zu neuen Technologien erhalten sollen. ...Welters, der für sein Unternehmenskonzept schon mehrere Preise bekommen hat, hofft auf sechs Kunden im ersten und etwa zwölf im dritten Jahr.
In die Pflanzen, die im Auftrag anderer Firmen auf dem Feld getestet werden, sollen Eigenschaften übertragen werden, die durch eine "normale Züchtung" nicht oder nur schwer entwickelt werden können. Sie sollen zum Beispiel widerstandsfähiger und ertragreicher sein. ...
Die Kritik der Wesselinger Grünen, die sich über "eine mangelhafte Unterrichtung der politischen Entscheidungsgremien" empörten und vom wachsenden Mißtrauen in der Bevölkerung sprachen, weist Welters zurück. Er habe im Rathaus mit SPD und Grünen über sein Vorhaben diskutiert. Er sei jederzeit zu weiteren Gesprächen bereit.
Kölner Rundschau, 24.09.97
"Wesselinger SPD für Genversuche"
Mehrheitlicher Beschluß der Fraktion nach langer Debatte
Die SPD-Ratsfraktion in Wesseling hat sich mehrheitlich für die Durchführung gentechno- logischer Freilandversuche auf dem Gebiet der Chemiestadt ausgesprochen....Wie aus SPD-Kreisen weiter verlautete, sollen die Angehörigen der Fraktion bei eventuellen Abstimmungen im Rat über das Thema ihrem Gewissen folgen können. ...
...vor wenigen Tagen haben bereits Gespräche mit einem Vertreter der Gen-Branche stattgefunden....
"Im Prinzip sind die Versuche nicht zu verhindern", kommentierte gestern SPD-Fraktionsgeschäftsführer Helmut Latak auf Anfrage die Haltung der Genossen....
Die Gegner des Mehrheitsbeschlusses hatten vergeblich für eine größere Differenzierung geworben. So sei Gentechnik in manchen Bereichen der Medizin sinnvoll, zur Behebung der ungleichen Nahrungsverteilung auf der Erde jedoch ungeeignet und ethisch nicht zu vertreten....
Wesselinger Bauern hätten bei einer Veranstaltung zu dem Thema, wie es hieß, unterdessen kaum Bedenken gegen die Freilandversuche geäußert.
Kölner Rundschau, 15.02.97
"Kreis-Vertreter in der BioGenTec sollen antworten"
Beginnen im Frühjahr Freilandversuche?
Werden in Kürze Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen im Erftkreis gestartet oder nicht? Auch in der Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklungsplanung (KEP) blieb die Antwort ungenau....
Für die Sitzung am Donnerstag hatten Grüne und SPD die Einladung von Vertretern der Landwirtschaftskammer, der Erftkreis-Bauernschaft, der DEA-Raffinerie Wesseling und Rheinbraun beantragt. Gekommen war niemand. Zu groß ist offensichtlich die Furcht vor Gegnern der Gentechnik. Das geht auch aus einem Brief der Landwirtschaftskammer hervor, aus dem am Donnerstag zitiert wurde. Demnach sind die Erftkreis-Landwirte durchaus bereit, Felder für Freisetzungsversuche zur Verfügung zu stellen, fürchten sich aber vor Zerstörung und halten sich deshalb zurück....
Die Rolle, die der Erftkreis in der Gemeinschaft mit Köln, Düsseldorf, Aachen, Wuppertal und den anderen Kreisen der siegreichen Regio Rheinland spielt, stützt sich auf die hier vorhandenen Ackerflächen.... Die Bereitstellung der Flächen ist ein wichtiger Beitrag zum Standort Erftkreis.... SPD-Sprecher Manfred Koch will wissen, wie solche Freisetzungsversuche begleitet werden und forderte Öffentlichkeit.
Kölner Stadtanzeiger, 06.02.97
"Plädoyer für die Gentechnik"Plädoyer für die Gentechnik"
CDU diskutierte mit Bauern - Öffentlicher Druck
Die Diskussion um mögliche Risiken durch den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft ist an den Bauern im Kreis nicht spurlos vorbeigegangen. "Wir stehen unter starkem öffentlichen Druck", beklagte ein Landwirt ... "Die Akzeptanz für die Gentechnik ist in Deutschland gleich Null. Ich werde einen Teufel tun und am Markt vorbeiproduzieren. ...
Jenseits des großen Teiches stehe man der Gentechnik wesentlich aufgeschlossener gegenüber, ließ Dr. Heidrun Fußwinkel vom Institut für Gentechnik der Uni Köln in einem Vortrag vor rund 20 Landwirten durchblicken....
Die Elsdorferin Dr. Heidrun Fußwinkel vom Institut für Gentechnik der Uni Köln befürwortet den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft.
Kölner Rundschau, 06.02.97
"Chancen und Risiken der Gentechnik"
Agrarausschuß der CDU Erftkreis organisierte Diskussion für Landwirte
... Eingeladen hatte der Agrarausschuß der CDU Erftkreis,... mit Dr. Heidrun Fußwinkel als Referentin. ...
Am Dienstag hörten ihr in erster Linie Landwirte und CDU-Mitglieder zu. Auf die Bauern sind die Forscher angewiesen, denn es lassen sich nur schwer Flächen finden, auf denen sich die zuvor in Labors und Gewächshäusern getesteten Pflanzen unter Freilandbedingungen beobachten lassen. Die meisten Flächen werden sofort zerstört. Zehn Hektar werde jetzt, so sagte Fußwinkel, die DEA in Wesseling zur Verfügung stellen, nachdem Rheinbraun nach anfänglicher Bereitschaft einen Rückzieher gemacht habe....
>... So könnten die Produzenten von Zuckerrüben von den Erkenntnissen der Gentechniker profitieren. Wurzelbärtigkeit, ein weit verbreitetes Problem der Rübenanbauer, lasse sich bekämpfen, indem der Pflanze ein Gen übertragen werde, das sie gegen den Erreger der Krankheit resistent werden läßt....
...Die Wissenschaft sei noch am Anfang, in Deutschland jedoch bereits im Hintertreffen. Ein Problem, das auch viele der anwesenden Landwirte beschäftigte. Wenn überall Bauern dank Gentechnik immer billiger produzieren könnten, hätten die deutschen Landwirte das Nachsehen, befürchten sie....
... Daß die Verbraucher in Deutschland so skeptisch sind, liegt laut Fußwinkel daran, daß sie "keine Chance haben, sich zu informieren". Verantwortlich dafür: "Die Medien."...
5Kölner Rundschau, 17.05.965
"Zentrum der Genforschung"
Berichte über geplante Freilandversuche rufen Grünen-Politiker auf den Plan
Die Städte Hürth und Wesseling sollen nach Information der Kölnischen Rundschau zum Schwerpunkt gentechnologischer Projekte in der Region werden. In einem Schreiben von Landrat Wolfgang Bell (SPD) an den Wesselinger Bürgermeister Rüdiger Kibilka (SPD), das unserer Zeitung vorliegt, heißt es wörtlich: "Bereits vor der Entscheidung im Bio-Regio-Wettbewerb stand fest, daß der Erftkreis für Bio- und Gentechnikunternehmen hervorragende Standorte bereithält....
...so Bell, soll ein Areal außerhalb der Werksgrenze für Freisetzungen nach dem Gentechnikgesetz erschlossen werden. "Ich halte dies für eine mutige Entscheidung und bitte Sie um Unterstützung dieses Vorhabens", schreibt Bell dem Wesselinger Bürgermeister...
Zuständig für die Genehmigung von Freisetzungen ist das Robert-Koch-Institut in Berlin. Wie ein Sprecher des Instituts am Nachmittag der "Rundschau" sagte, gibt es neben dem normalen Genehmigungsverfahren auch die Möglichkeit einer vereinfachten Prüfung, wenn dieselben Pflanzen vom selben Betreiber an einem anderen Standort gezüchtet werden sollen. Eine Genehmigung durch das Institut sei dann innerhalb von 15 Tagen möglich. Ein Antrag für das Wesselinger DEA Gelände liege bislang allerdings nicht vor...
>Damit die Versuche nicht wie in der Vergangenheit von Gegnern solcher Experimente vernichtet werden können, wurden die benötigten Felder dem Bericht zufolge von der RWE-Tochter DEA in der Nähe von Köln gepachtet" und sollen vom Werksschutz des Unternehmens bewacht werden....
Die Fraktion der Grünen, die zusammen mit der SPD eine Rathaus-Koalition bildet, forderte die Behandlung des Themas in der kommenden Sitzung des Stadtentwicklungs- und Umweltausschusses....
